6. Juli 2020

Was ist Helikoptergeld?

EZB-Chef Draghi musste viel Prügel einstecken.

Aus humanwirtschaftlicher Sicht ist vieles berechtigt, aber nicht alles trifft zu.

Niedrig-Zins-Politik ist nicht des Teufels, sondern ein Segen nicht nur für die vielen privaten und öffentlichen Schuldner, sondern auch für die Mehrzahl der Sparer.

Um von hohen Zinsen zu profitieren, muss man schon über sehr große Summen verfügen.

Viele Investitionen, die schon immer wirtschaftlich sinnvoll, aber nicht „rentabel“ waren, können getätigt werden und neue Arbeitsplätze schaffen.

  • Die Reallöhne steigen, weil die Unternehmen wegen der günstigen Finanzierung niedrigere Kosten haben.
  • Die Altersrenten steigen, weil sie gesetzlich an die Löhne gekoppelt sind.
  • Immer wieder aufgeschobene Investitionen in die Infrastruktur können in Angriff genommen werden, wenn die öffentlichen Haushalte von der Zinslast befreit sind.
  • Die Einkommensschere zwischen Arm und Reich hat sich nicht weiter geöffnet.

Die Flutung der Kapitalmärkte hat die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und auch Frankreich nur geringfügig senken können. Immer noch nehmen die Banken lieber hohe Negativzinsen in Kauf, statt die Kreditmenge auszuweiten.

Woran liegt das?

Mit einem Seil kann man nicht schieben. Warum sollte ein Unternehmen einen Kredit aufnehmen, wenn die Leute nicht genügend Geld haben, seine Produkte zu kaufen. Die Sanierung der Staatshaushalte ging häufig mit massiven Rentenkürzungen einher. Man spricht von „totsparen“.

Was liegt also näher, als das Geld, was man den Banken in den Rachen schmeißt, lieber den Leuten direkt zu geben, was pro Eurobürger ca. 170 € monatlich ausmachen soll. Das erreicht zwar nicht die Wirkung einer Umlaufsicherung, aber wir wissen ja schon von der Autoabwrackprämie, dass man eine lahmende Konjunktur nur von der Nachfrageseite anschieben kann.

Zwar ist formal der EZB die direkte Finanzierung von Staaten untersagt, aber

  1. hält sich auch jetzt nicht daran, wenn sie Staatspapiere aufkauft, und
  2. kann sie das unter Konjunkturpolitik verbuchen. Dann sind wir auch nicht mehr so weit von der Freiwirtschaft entfernt, wo das Geld nicht mehr aus Kredit , sondern vom staatlichen Währungsamt geschöpft wird.

HB

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