Ostalgie – Die DDR war genauso pleite

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Alt- und Jungkommunisten in den östlichen Bundesländern verdrängen zumeist bittere Wahrheiten, wie man zum Teil an den Wahlergebnissen sieht. Zweifellos gehört die, als “Schürer-Bericht” bekannt gewordene, ökonomische Analyse der DDR-Endzeit als vernichtendes Urteil einer maroden Planwirtschaft zu den wichtigsten Offenbarungen der DDR-Oberen.

Erstaunliche Parallelen ergeben sich, wenn man die Verschuldung der DDR mit der aktuellen Situation der Bundesrepublik vergleicht. Am 30.10.1989 legte Gerhard Schürer auf Bitte von Egon Krenz mit der „Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlussfolgerungen“ dem Zentralkomitee des ZK der SED eine ungeschminkte Analyse der wirtschaftlichen Situation auf den Tisch. So wuchs die Verschuldung gegenüber dem „Nicht-Sozialistischen-Wirtschaftsgebiet“ von 2 Mrd. Valutamark im Jahre 1979 auf 49 Mrd. VM im Jahre 1989. Die vielgepriesene Sozialpolitik der DDR beruhte nicht in vollem Umfang auf eigenen Leistungen, sondern auf einer wachsenden Verschuldung gegenüber dem „Klassenfeind“. Mit den Exportüberschüssen von nur 1 Mrd. VM zwischen 1986-1988 konnten die Kosten und Zinsen, für die aufgenommenen Kredite, in Höhe von 13 Mrd. VM im gleichen Zeitraum nicht mehr bedient werden. Die DDR war in der Schuldenfalle. Der Rückgang der Produktivität und steigende Spareinlagen, die mangels Warenangebot nicht mehr abgebaut werden konnten und ebenfalls verzinst werden mussten, taten ihr Übriges zur Unzufriedenheit der Bevölkerung. „Die fälligen Zahlungen von Tilgungen und Zinsen, d.h. Schulden, werden mit neuen Schulden bezahlt.“ Und weiter: „Allein ein Stoppen der Verschuldung würde im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards (der DDR-Bevölkerung) um 25-30% erfordern und die DDR unregierbar machen.“ Schürer konstatiert: Die Konsequenzen der unmittelbar bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit wäre ein Moratorium (Umschuldung), bei der der Internationale Währungsfonds bestimmen würde, was in der DDR zu geschehen hat. Solche Auflagen setzen Untersuchungen des IWF in den betreffenden Ländern zu Fragen der Kostenentwicklung, der Geldstabilität u. ä. voraus. Sie sind mit der Forderung auf den Verzicht des Staates, in die Wirtschaft einzugreifen, der Reprivatisierung von Unternehmen, der Einschränkung der Subventionen mit dem Ziel, sie gänzlich abzuschaffen, den Verzicht des Staates, die Importpolitik zu bestimmen, verbunden. Es ist notwendig, alles zu tun, damit dieser Weg vermieden wird.“ Der „Schürer-Bericht“ ist die Bankrotterklärung der DDR und zeigt deutlich die gleiche Hilf- und Einfallslosigkeit planwirtschaftlicher Ökonomen mit den heutigen „Wirtschaftsweisen“ gegenüber der internationalen Hochfinanz und ihrem Zinsgeldsystem. Sozialistische Planwirtschaft und kapitalistisch verzerrte Marktwirtschaft sind damit zwei Seiten derselben Medaille.

P.Z.