Ehe für Keinen

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Die „taz“und die Ehe für alle:

In der Wochenendausgabe der „taz“vom 1. Juli 2016 stellt Autor Kersten Austin die These auf:

Wenn jetzt alle dafür sind, kann man auch wieder dagegen sein.“

Auch für mich stellt sich die Frage, was rechtfertigt noch die Privilegierung einer überkommenen Lebensform, wenn der im Grundgesetz vorgegebene Zweck verfehlt wird. Es ging doch um das Kindeswohl in einem behüteten Umfeld. Mit Kersten Austin frage ich mich, ob die 15 bis

20 Milliarden Euro Ehesubvention pro Jahr nicht sinnvoller für Kinder eingesetzt werden könnten. „Befreundete Paare ohne Kinder heiraten und sparen jedes Jahr Tausende von Euro Steuern.“ Mit welchem Recht? „Mit der Ehe für alle wird die ewige und exklusive Beziehung zwischen zwei Menschen weiter idealisiert, dabei stirbt sie längst einen langsamen Tod“, wie die steigenden Scheidungsraten leider belegen.

Wer mit wem zusammenlebt, ob kurz oder lang, ob zu zweit oder zu fünft, geht niemanden etwas an, schon gar nicht den Staat.“ Soll man dem widersprechen, wenn Austin weiter schreibt:

Ehe für alle, Ehe für keinen

Es ist nicht seine Aufgabe (des Staates d. R.) bestimmte Lebensformen zu fördern und zu bevorzugen. Der Bundestag hat den Paragrafen 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches für homosexuelle Paare geöffnet. Endlich! Doch die Ehe erfährt dadurch eine Aufwertung, die sie nicht verdient hat. Sie vernachlässigt unverheiratete Paare, egal ob hetero oder homo, Paare die sich entscheiden, nicht zu heiraten, weil sie die Ehe überkommen finden……..Aber die nächste Etappe ist auch klar: Es ist Zeit, die Eheprivilegien abzuschaffen.“ Weiter schreibt Austin:

Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es die bürgerliche Ehe jenseits der Kirche. Ohne Sie wäre die Durchsetzung des Kapitalismus nicht durchsetzbar gewesen, sie schrieb die Ausbeutung der Frau durch unbezahlte Arbeit zu Hause fest. Bis in die 70 iger Jahre durften Männer für ihre Frauen entscheiden, ob sie arbeiten dürfen……. Familien und Paare sind sozialer Klebstoff- und praktisch für den Staat,“ kommentierte der Tagesspiegel lobend die „Ehe für alle“. Aber fortschrittlich denkende Menschen sollten nicht praktisch für den Staat sein und kleben bleiben………

Vision von Progressiven ist der freie Mensch, oder pathetisch und mit Marx zu sprechen, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes , ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Das klingt zwar etwas überzogen.

Doch auch Silvio Gesell beklagte schon 1921 : „Der Staat hat auch die allerzarteste Blüte des Menschenlebens mit Beschlag belegt. Die Staatsmaschinerie greift in das Liebesleben ein. Sie führt wie der Tierzüchter ein Stallbuch, das sie Zivilstandsregister nennt und erklärt alle Ehen für ungültig, die nicht in diesem Buche eingetragen werden. Die missglückten, von ihm selbst geschlossenen Ehen hält er gewaltsam zusammen, in dem er Ehescheidungen Hindernisse in den Weg legt. So verstößt der Staat gegen den in jedem Menschen lebendigen tiefen Glauben, dass nur aus einem durch nichts anderes als Liebe vereintem Paar normale, glückliche harmonische Menschen entspringen können. )*

Persönliches zum Abschluss: Die Forderung nach Abschaffung Eheprivilegien bedeutet nicht automatisch die Ablehnung einer lebenslangen Partnerschaft, es lohnt sich diese immer wieder aufs Neue zu versuchen. Dafür bedarf es nicht des Staates. Es ist jedoch mit dem Grundgesetz und der Generationengerechtigkeit unvereinbar, dass die Erfüllung eines Kinderwunsches immer noch mit einem Armutsrisiko verbunden ist.

H. B.

)*zitiert aus der Werksauswahl zum 150. Geburtstag von Silvio Gesell: „Reichtum und Armut gehören nicht in einen geordneten Staat.“