Eric Hoffer – der etwas andere Philosoph

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Er hätte ein typischer Vertreter des Proletariats sein können, denn er gelangte in seinem Leben nie über Gelegenheitsarbeiten als Erntehelfer und Hafenarbeiter hinaus und hatte in seiner Jugend nicht einmal die Schule besuchen können. Anders gesagt, hätte Eric Hoffer für Marx ein Paradebeispiel für den Typus Mensch abgeben müssen, dessen …

Quelle: Hitler, Arendt, Hoffer. Oder: Das Genie als Prolet – Philopedia

Eric Hoffer, den Namen habe ich vorher noch nie gehört. Ein Beitrag von Gero Jenner in der Humanen Wirtschaft, der Zeitung der Freiwirtschaftsbewegung, machte jüngst auf diesen Arbeiterphilosphen aufmerksam. Dieser Beitrag war für mich ein eben so großes AHA-Erlebnis wie 1990 die Lektüre von Magret Kennedy „Geld ohne Zins und Inflation“. Dieses Buch brachte mich damals zur Humanwirtschaft. Einfach aus dem inneren Gefühl heraus: Jawohl, DAS IST ES. Und Hoffer scheint die passende Ergänzung dazu zu sein.

Die prägenden Philosophen der Arbeiterklasse stammen allsamt aus dem Bürgertum. Und haben den Arbeitern, also den gesellschaftlich unter ihnen Stehenden, erklärt, wie ihre Ideale Gesellschaft aussehen sollte. Herausgekommen sind dabei die rechten und linken sozialistischen und kommunistischen Gesellschaftsexperimente. Und obwohl die bisherigen gescheitert sind, wird treu daran festgehalten. Getreu dem Motto, wenn wir hier und hier oder hier etwas herum basteln wird es beim nächsten mal schon klappen.

Hoffer hingegen war sein Leben lang tatsächlich Arbeiter. Eigentlich doch der ideale Ideengeber für das Proletariat. Jedoch bei deren Vertretern links und rechts unbekannt, oder gar unerwünscht?

Was dieser Mann uns in seinem berühmten Erstlingswerk „The True Believer“ (Der Fanatiker) zu sagen hat, und zwar in Form von verblüffenden Aphorismen und psychologisch tiefsinnigen Räsonnements, ist zugleich zeitlos und aktuell. Es hinterlässt sofort den Eindruck, dass sich hier – um in Nietzsches Worten zu reden – ein freier Geist, ein besonderes Genie offenbart. Denn Hoffer ist alles zugleich: ein bis in die schwärzesten Winkel der menschlichen Seele ohne jede Scheu hinabblickender Psychologe und ein erbarmungslos sezierender Wissenschaftler, der den Menschen als soziales Herdentier untersucht. Mit anderen Worten, ein überragender Soziologe und Politologe, für dessen gerade einmal 170 Seiten umfassendes Buch man getrost ganze Bibliotheken aus der Feder durchschnittlicher Vertreter dieser beiden Fächer hingeben mag.

Hoffer führt die Ideologen der Weltverbesserer vor. Deren Fanatismus hat seine Wurzeln in persönlicher Unzulänglichkeit: wer selbst ein erfülltes Leben führt, weil er fähig ist, das eigene Sein kreativ zu gestalten, der habe kein Interesse am Umsturz der bestehenden Ordnung. „Der Glaube an eine heilige Sache ist in hohem Maße ein Ersatz für den verlorenen Glauben an uns selbst“.

Der nächste Punkt spricht mir aus dem Herzen. Rechts und Links sind nur zwei Seiten der selben Sache. Oft austauschbar. Keines bring eine echte Verbesserung der Situation.

Auf die jeweilige Ideologie einer Bewegung komme es ohnehin in den seltensten Fällen an. Was die Leute wirklich wollen und was ihnen die fanatischen Führer von rechts und links tatsächlich geben, sei das Gefühl „dazuzugehören“, auszubrechen aus der unerträglichen Isolierung des eigenen Selbst, aus der Unzufriedenheit mit dem eigenen unscheinbaren oder verhassten Ego, um in einem Größeren und Umfassenden aufzugehen: einer Bewegung. Die jeweilige Ideologie sei eher Nebensache, sie habe keine andere Funktion als die einer Fahne, unter der die Gläubigen sich versammeln.

Bekanntermaßen kommt das Wort Friede aus dem Wort zufrieden. Hoffer warnt daher vor dem unzufriedenen Mann des Wortes, dem unzufriedenen Intelektuellen:

Missachtete oder gar arbeitslose Intellektuelle bilden ein ständiges Potential von Aufruhr und Umsturz. Sie projizieren ihr eigenes Leid in die Welt hinaus. Zustimmend zitiert Hoffer Thoreau: „Was den /selbsternannten/ Reformer in Wirklichkeit quält, ist, wie ich glaube, viel weniger Sympathie für das Leid seiner Mitmenschen, sondern – auch wenn er der heiligste Sohn Gottes ist – sein privates Ungemach. Lass dieses berichtigt werden … und er wird seinen /früheren/ Kampfgenossen ohne jede Entschuldigung den Rücken kehren.“

Alles in allem für jeden mit den „klassischen linken und rechten Philosophen“ unzufriedenen, da dort keine Antwort auf die brennenden Fragen findenden, ist Hoffer eine Herausforderung zur Auseinandersetzung.

Na denn,
Denken sie einmal darüber nach –
einen schönen Tag noch!

HH