Brandstetter: GIER

Humanwirtschaftliche Fachliteratur

Gier

Eine Welt von allen guten Geistern verlassen


Rudolf Brandstetter,  Re Di Roma-Verlag

ISBN 978-3-86870-565-2

Auszug aus dem 4. Kapitel:

DIE LÖSUNG ODER: EINE ANDERE WELT IST MÖGLICH!

„Statt denjenigen, die mehr Geld haben, als sie benötigen, für die Freigabe des Geldes eine Belohnung (sprich Zins) zu geben, sollen diese eine geringe Gebühr (sprich Nutzungsgebühr) zahlen, wenn sie ihr Geld vom Umlauf zurückhalten.“

MARGRIT KENNEDY

„Wenn du einem Armen aus meinem Volk Geld leihst, verhalte dich ihm gegenüber nicht wie ein Wucherer. Verlange keine Zinsen von ihm.“

MOSES

Ich möchte Ihnen zu Beginn dieses Kapitels Gedanken eines Mannes aus der Welt der Wirtschaft näherbringen, der es wie kaum ein anderer verstand, die großen Fehler, die Schwächen und damit die Gefahren des kapitalistischen Wirtschaftssystems auf den Punkt zu bringen. Es handelt sich dabei um den deutschen Kaufmann, Finanztheoretiker und Sozialreformer SILVIO GESELL (1862-1930). Gesell schrieb kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges folgendes:

„Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz des Rufes der Millionen: `Nie wieder Krieg!´, entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muss ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, dass es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen. Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik lässt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch ein Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift lesen können: `Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen´. Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein.“