Lietaer: Mysterium Geld

Humanwirtschaftliche Fachliteratur

Mysterium Geld

Emotionale Bedeutung und Wirkungsweise eines Tabus


Bernard A. Lietaer, Riemann Verlag, One Earth Spirit, 2000

Das Ende von Geld- und Machtspielen? Bernard Lietaer lüftet das letzte Tabu der Neuzeit: Das Yin und Yang vom Geld. Geldsysteme fallen nicht vom Himmel. Sie werden von Menschen gemacht. Im großen historischen Rahmen zeigt der Top-Finanzfachmann und Tiefenpsychologe Bernard Lietaer, wie psychische Verhaltensmuster, mythologische Vorstellungen und kulturelle Konzepte die emotionale Grundlage von Geldsystemen bilden. Es liegt an uns, ein Geldsystem zu schaffen, das Kreativität und wahren Wohlstand fördert.

Geld, so betont Bernard A. Lietaer, ist keine fixe Größe, sondern eine Übereinkunft. Es sind die kollektiven Emotionen die das Geldsystem formen. Damit bricht er ein Tabu, denn die westliche Welt, und allen voran die Fananzleute, halten Geld für eine gleichsam naturgegebene Selbstverständlichkeit.

Aufbauend auf Calr Gustav Jungs Konzept der Archetypen legt Lietaer den emotionalen Ursprung unseres Geldes frei. Der Archetyp der Großen Mutter, das Symbol für Natur, Fruchtbarkeit und Überfluss, wurde in den letzten 500 Jahren gewaltsam unterdrückt. Als Schattenwesen dieser Großen Mutter tauchen die Phänomene Gier und Angst vor Knappheit auf. Die Angst vor Knappheit erzeugt Gier, und die Gier wiederum bewirkt, dass die Angst vor Knappheit wohl begründet ist. Es handelt sich somit um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Lietaers Buch gewährt nicht nur erhellende Einblicke in die Wirkungsweise von Geldsystemen. Es ist vielmehr eine spannende und aufregende Reise zu den großen Mythen der Menschheitsgeschichte. Dieser unkonventionelle Ansatz, der die emotionale Dimension des Geldes ins Bewusstsein ruft, lässt unsere Finanzsysteme in einem völlig neuen Licht erscheinen: Die Heiligkeit des Geldes ist nicht unantastbar. Es liegt an uns, eine Entscheidung zu treffen und die Natur unseres Geldes zu verändern.

Bernard A. Lietaer hatte über 25 Jahre verschiedene Positionen im Geld- und Finanzwesen inne, die sich üblicherweise eher ausschließen: Er war Zentralbankier und professioneller Währungsspekulant, Berater von multinationalen Konzernen wie von Regierungen in Entwicklungsländern, er war Universitätsprofessor für internationales Finanzwesen und Präsident eines elektronischen Zahlungssystems.

An führender Stelle in der Belgischen Zentralbank zeichnete er verantwortlich für die Einführung des ECU, des Konvergenzmechanismus, der zur europäischen Einheitswährung führte. In seiner Funktion als Geschäftsführer und Währungshändler eines der erfolgreichsten Offshore-Währungsfonds (1989-92) kürte ihn „Business Week“ zum Top-Welt-Währungshändler.

Seine Bücher „Das Geld der Zukunft“ (Riemann Verlag, Oktober 1999) sowie „Mysterium Geld“ entstanden während eines Forschungsauftrags am Institute for Sustainable Resources an der Universität Berkeley und einer Gastprofessur für archetypische Psychologie an der Sonoma State University in Kalifornien.