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Wo-nach-richten ?“

lässt sich kaum ein besseres Vorwort finden, als das

zum Buch „Überwindung des Totalitarismus“ das Otto Valentin selbst verfasst hat.

Vorwort – (Otto Valentin, Autor)

Zwischen den Gesetzen des Lebens und denen der Wirtschaft, die uns die Mittel zum Leben liefert, besteht von Natur aus kein Gegensatz.

Wenn alles mit rechten Dingen zuginge, könnten wir ein Leben in Freiheit, Frieden und Überfluss, fernab aller materiellen und sozialen Not führen, sofern wir bereit wären, eine angemessene Arbeitsleistung zu vollbringen.

Warum sind wir aber seit eh und je von diesem wünschenswerten Zustand so weit entfernt?

Warum kriselt die Wirtschaft immer wieder und verweigert den Menschen oft genug den Arbeitsplatz und, wenn sie ihn gefunden haben, den vollen Ertrag ihrer Arbeit?

Warum herrscht dauernd ein Zustand der Unterentlohnung und beinahe dauernd der Unterbeschäftigung?

Warum muss die Menschheit in Unkenntnis der Zusammenhänge sich bekriegen und bekämpfen und sich immer wieder politischen Abenteu-rern ausliefern, die sie versklaven und in das Inferno neuer Katastrophen stürzen?

Warum vollzieht sich, obgleich von der Mehrzahl der Menschen verab-scheut, eine verhängnisvolle Entwicklung in die Richtung zur Staatstota-lität?

Warum wird die Wirtschaft von einer Angelegenheit der Menschen immer mehr zu einer der Staaten? Ist diese Entwicklung wirklich unab-änderlich? Gibt es keine Rettung vor der drohenden totalitären Herr-schaft?

Die Wirtschaftswissenschaft, deren Aufgabe es sein müsste, diese Fra-gen zu beantworten, war und ist in Irrtümern befangen und hat keinen Ausweg aus dem Fehlerkreis aufzuzeigen vermocht. Sie konnte oder wollte nicht bemerken, dass der Widerspruch zwischen dem, was die Menschen – durchaus in Übereinstimmung mit den klassischen Lehr-sätzen – in gutem Glauben anstreben und dem, was gegen ihre Absicht und entgegen der Theorie dabei herauskommt, einzig und allein auf einigen unscheinbaren Mängeln der Wirtschaft beruht, und dass über-raschenderweise die beiden Hauptübel unserer Zeit, die sozialen Stö-rungen und die Wirtschaftsstörungen, die gleiche Wurzel besitzen.

Von den Regierungen Abhilfe zu erwarten, hat erst dann einen Sinn, wenn gewisse neuere Wirtschaftserkenntnisse sich durchgesetzt haben. Noch nie haben Regierungen neuen Erkenntnissen zum Durchbruch ver-holfen, wohl aber vermögen neue Erkenntnisse Regierungen zu formen. Heute stürmen auf den Staat infolge der drückenden wirtschaftlichen und sozialen Mängel in zunehmendem Maße neue Aufgaben ein, die sie zu immer tiefer greifenden planwirtschaftlichen Eingriffen zwingen. Im glei-chen Verhältnis, wie dadurch ihre Machtbefugnisse ausgeweitet werden, streben sie dem totalitären System zu, vernichten sie Freiheit und damit Glück ihrer Bürger und Bürgerinnen; im gleichen Maße wird aber auch ihre Anziehungskraft als Tummelplatz machthungriger Naturen wachsen.

Trotz alledem liegt der Ausweg in eine bessere und friedvollere Zukunft klar vor uns. Zum ersten Male in der Geschichte hat eine Generation den Schlüssel zur dauernden Vollbetriebswirtschaft und zur Lösung der sozialen Frage in der Hand, zum ersten Male verfügt sie über das unantastbare geistige Rüstzeug, um souverän den Tag zu bestimmen, an dem sie der leidigen Vergangenheit wirtschaftlicher Ausbeutung und sozialer Nöte den Rücken kehren und in eine natürliche, das heißt freiheitliche Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft eintreten wird, die die Grundvoraussetzung für eine Befriedung der Welt und die Entfaltung der Men-schheit bildet. Und dieser Ausweg liegt keinesfalls in einem verstärkten Ausbau des Staates, als vielmehr im Abbau von Bürokratie und Verwaltungsapparat.

Hard bei Bregenz, Pfingsten 1951 – Otto Valentin

Huwi-Herz

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