23. Januar 2022

Integration oder Kampf?

Uwe Habricht, Januar 2022

“Kampf gegen Arbeitslosigkeit!”

“Kampf gegen Armut!”

“Kampf gegen AIDS!”

“Kampf gegen Kriminalität!”

“Kampf gegen Umweltverschmutzung!”

“Kampf gegen Krankheit!”

“Kampf gegen das Virus!”

“Kampf gegen Kinderpornographie!”

“Kampf gegen Rechts!”

“Kampf gegen Querdenker!”

“Kampf gegen Ungeimpfte!”

“Kampf gegen Schwurbler!”

“Kampf gegen Klimawandel!”

Merken Sie was?

Wir leben im Kampfmodus, im geistigen Kriegszustand.

Nun meine Frage: Wer erzeugt denn all die Bedrohungen, die es zu bekämpfen gilt? Wer gibt die Feindbilder vor, die wir präsentiert bekommen und willig übernehmen, um bei aller Hilflosigkeit wenigstens einem “Feind” gegenübertreten zu können, der uns das Gefühl gibt, etwas “Gutes” zu tun? Die eigene Ohnmacht lässt sich besser aushalten, wenn wir gegen das “Böse kämpfen”, nicht wahr? Also wehren wir innerlich mit jedem “Kampf gegen irgendetwas” unsere eigene Ohnmacht ab, ohne es zu merken!

So ist es der “Gute”, der sich ganz unschuldig fühlen darf, während wir das “Böse” beim Schuldigen, beim Abweichler von unserer eigenen “guten” Meinung, verorten. Es ist der “böse Mensch”, zumindest wird ihm dies durch diese Kampfesformeln eingeredet, der uns bedroht. “Du, Querdenker, Rechter, Verschwörungstheoretiker, etc., bis die Bedrohung für uns Guten!”. Es hat System, dass der Bevölkerung permanent von selbsternannten Oberlehrern ein schlechtes Gewissen gemacht wird. Denn nur so generiert sich der Verkäufer des “guten Gewissens”. Dazu jedoch später.

Und wer behauptet also permanent, das der Mensch “böse ist”? Es sind gesichtslose Formel- und Glaubenssatz-Propagandisten, die uns tagtäglich durch die Medien-Propaganda ihre “Wahrheit” indoktrinieren. Dadurch entsteht letztlich ein geteilter, ja fragmentierter Geisteszustand: Der Geist ist geteilt in die Identifikation mit dem vermeintlichen “Bedroher” oder dem vermeintlichen “Retter”. Wir leben im Kampfmodus “Mensch gegen Mensch” und damit in einer schizophrenen geistigen Welt.

Wer solch ein Klima durch die Erzeugung und Indoktrinierung bestimmter Glaubensätze erschafft, darum soll es hier nicht gehen. Wer weiß das schon?

Aber welche Wirkung solch eine Spaltung des menschlichen Geistes offensichtlich hat, und was jeder Einzelne tun kann, das ist untersuchungswert!

Solch eine Welt, in der sich “Bedroher” und “Retter” permanent gegenüberstehen, hat nichts mit Pluralismus zu tun. Diese Form der Spaltung verhindert echte Vielfalt der Meinungen! Denn es ist geradezu ein kollektiver psychotischer Zustand, in dem wir uns mittlerweile befinden! Und in der Tendenz bekämpft der Einzelne oder die Gruppe das im Außen, was er oder sie bei sich selbst nicht sieht oder unbewusst ablehnt!

Auch der Diskurs ist in einem solchen Klima kaum noch möglich, denn man gehört entweder zur einen oder zur anderen Gruppe. “Entweder – Oder!”, anstatt “Sowohl – Als Auch!”.

Weitere Frage: Ist jemals, seit diese “Kämpfe” anhalten, irgendein Problem davon überwunden worden?

Oder ist es nicht vielmehr so, dass im Klima der permanenten propagandistischen Ideologisierung ein “Drama-Dreieck” entstanden ist, in dem diese Dualität “Freund-Feind”, “für-gegen”, etc. aufrechterhalten bleibt und nun der lachende Dritte, die Regierung, der Retter, der Meinungswächter, im Spannungsfeld dieses erschaffenen Dualismus permanent als Gesinnungswächter, Prophet und Moralapostel auftreten kann?

Mittlerweile beobachte ich, dass die Regierung nicht mehr das tut, wozu sie einmal bestimmt wurde: Die Schaffung struktureller gesellschaftlicher Voraussetzungen für eine funktionierende Solidargemeinschaft.

Stattdessen ist sie zum Moralprediger, zum Gesinnungswächter, zum Oberlehrer mutiert, der in die Köpfe der Menschen eindringt und sie täglich okkupiert. Das Drama-Dreieck, bekannt aus der Soziologie, beschreibt, wie eine “Problem-Homöostase”, ein funktionelles Problem-Gleichgewicht, eine kollektive Problem-Trance aufrechterhalten bleibt, solange die Akteure nicht aus der machtvollen Eigen-Dynamik der triadischen Drama-Konstellation “Täter-Opfer-Retter” aussteigen.

Stattdessen wird das Drama-Dreieck aber gezielt kollektiv und medial aufrechterhalten und angefeuert, weil nur so der Staat in seiner Unglaubwürdigkeit und seinem totalen Versagen in der sozialen Frage noch eine moralische Macht generieren kann, die seine Inkompetenz in Strukturfragen mit pseudomoralischen apodiktischen Glaubenssätzen überspielt. Und die meisten Menschen springen auf die “Pferde” auf, die ihnen der Mainstream anbietet und springen gleichzeitig ins vorgegebene Schema des Drama-Dreiecks herein.

Wir werden Probleme nicht mit Kampfesformeln lösen! Und auch nicht mit dem ewig laufenden neurotischen Spiel des Dramadreiecks! Erst, wenn wir, wenn jeder Einzelne da aussteigt, gibt es keinen lachenden Dritten, keinen Moralwächter mehr, der sich auf Kosten seiner geistes-gespaltenen Bevölkerung seine Macht-Gier befriedigen kann.

Wir müssen zunächst identifizieren, was uns an der inneren Freiheit hindert, auf den anderen zuzugehen. Die Revolution beginnt im Austreten (bzw. Transzendieren) aus dem ideologisch erschaffenen Dramadreieck mit seiner ganz eigenen strukturellen Macht der Spaltung (sowohl kollektiv, als auch individuell)!

Wir überwinden jedes Problem, das oben in den Kampfesformeln genannt wurde, mit Auseinandersetzung, Kommunikation, Ursachenerforschung und Verstehen-Wollen der Zusammenhänge! Nicht mit Kampf gegeneinander. Denn aus diesem Beherrschungs-Geist ist jedes Problem ja entstanden.

Der “Kampf gegen Armut” ist schlichtweg schizophren im Turbokapitalismus. Dieser “Kampf” verschleiert die Systemursachen, weil die Systemfrage im “moralisch toll” klingenden “Kampf” nicht gestellt werden muss! So wird politisch Flickwerk betrieben, meistens rein profilneurotisch und appellativ, mit Forderungen nach “Mehr Geld für ….”, ohne dass die Probleme ursächlich überwunden werden können!

Ich plädiere für das Aufwachen für das Ganze! Wir müssen das Ganze sehen und nicht Teil-Aspekte herausfiltern, die wir für unangenehm halten oder die uns Angst machen und diesen Aspekten den “Kampf ansagen”! Wir müssen erkennen, dass wir mittlerweile von unseren Ängsten getrieben werden, die wir nicht überwinden, wenn wir alles bekämpfen wollen, was uns ängstigt! Denn dann verkrümeln sich diese selbst erschaffenen Monster ins kollektive Unbewusste und treiben von dort aus ihre Blüte. So werden wir die nicht los! Und werden sie auch kaum überwinden.

Wem nützt es, wenn Probleme nur scheinbar bekämpft werden sollen und nie wirklich verschwinden?

Genau, es nützt dem, der vom ewig laufenden Drama-Dreieck lebt! Entziehen wir dieser Struktur die Macht, beginnen wir mit Hinschauen, Hinfühlen, Verstehen und Integrieren. Dann beginnt erst die Veränderung! Niemals mit Kampf! Lösen wir das Rätsel des Dilemmas unseres eigenen und kollektiven Unbewussten! Erst, wenn wir diesen Schatten anerkennen, kommen wir ins Gleichgewicht – auch gesellschaftlich. Nur, wenn wir uns unserer eigenen Motive bewusst werden, die hinter unseren schönen moralisch strahlenden Kampfesformeln stehen, erlösen wir die gespaltene Dualität in die Ganzheit.

Also: Wo bin ich auch “rechts”? Wo bin ich auch arm? Wo bin ich auch krank? Wo verschmutze ich die Natur? Wo bin ich selbstgerecht? Was wollen mir all diese Erscheinungsformen auch über mich sagen? Worauf wollen sie mich hinweisen?

Eine Krankheit habe ich nicht verstanden, wenn ich sie nur bekämpfe oder “besiege”! Einen Verschwörungstheoretiker habe ich nicht erlöst, nur weil ich ihm ein schlechtes Gewissen mache und es “besser weiß, als er!”. Bin ich nicht dann vom gleichen Holz wie er? Wenn ich den “Impfunwilligen” um seine Kraft und Ausdauer des Widerstandes, um seine eigene Souveränität heimlich beneide, die mir fehlt, dann halte ich ihn natürlich für “böse”, um mir meine eigene Ohnmacht nicht eingestehen zu müssen.

Wenn ich mich aber aus einer eigenen freien Entscheidung heraus habe impfen lassen, dann kann ich diese Freiheit auch jemandem zugestehen, der sich anders entscheidet als ich.

Wollen wir gefangen sein in einem permanenten Schuld-Spiel? Es ist evident, wie sehr die “politische Führung” auf die Erzeugung und Verwertung (“Büße deine Schuld mit Geldstrafen!” Das Prinzip der kirchlichen Ablassbriefe!) von Schuldgefühlen setzt. Viele geben irgend einem Anderen die Schuld an der Gefährdung der eigenen Gesundheit! Nicht Eigenverantwortung zählt, sondern eine Turbodynamik gegenseitiger Schuldzuschreibungen. Niemand ist wirklich Schuld an dem Virus, aber alle fühlen sich schuldig, ihn zu bekommen oder ungewollt weiterzugeben. Es ist ein trauriges unmenschliches und neurotisches Spiel der Schuldzuweisungen, der Verunsicherung, Angstabwehr und Verzweiflung, das hier politisch losgetreten wurde und an dem die meisten Menschen wesentlich mehr leiden, als an einer potentiellen Infektion!

Fangen wir an, zu fühlen, zu verstehen und zu versöhnen – auch mit uns selbst! Wir sind alle vom gleichen Holz! Wir sind alle Menschen!

Sag es weiter, teile es!

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