27. Juni 2022

Die Booster-Sprache

Merken wir eigentlich noch, wie unsere alltägliche Sprache mitunter ein Spiegel unserer eigenen menschlichen geistigen Deformation ist? Wie sie unseren gesellschaftlich-geistigen Kriegszustand gegen uns selbst und gegeneinander anfeuert?

“Ich habe mich “boostern” lassen.” heißt übersetzt: Ich habe mich antreiben lassen. Ja, das ist es. Wir treiben uns an, weil wir angetrieben werden. Wir lassen uns antreiben und treiben uns gegenseitig an. Wir leben innerhalb bestimmter Themenfelder auch in einem sprachlichen Kriegszustand.

Erinnern Sie sich noch an die Anpreisungen der “besten” Action- und Horrorfilme? Sie wurden “Blockbuster” genannt. Und alle tröteten es nach: “Ich gucke mir jetzt den nächsten Blockbuster an!”

Wenn ich heute jemanden frage, was das eigentlich heißt, bekomme ich von etwa 10 gefragten Leuten von einem einzigen die richtige Antwort: ein Blockbuster ist eine Luftmine bzw. Minenbombe; eine große, schwerere Sprengbombe!

Immer öfter ist Kriegssprache in den Medien zu hören. “Die Impfung ist eine Waffe im Kampf gegen die Bedrohung.”, “Die Bedrohung wächst.”, “Querdenker marschieren auf.”, “Omikron greift an.”, “”Wir müssen Intoleranz ausmerzen.”, Wir müssen die Menschen vor der nächsten Angriffswelle schützen.”, etc. etc.

Die Alltagssprache ist voll von Mensch-abwertendem, kriegerischem und Angst-machendem Vokabular. Insbesondere die Anglizismen werden unreflektiert übernommen und richten Verheerendes in unserem Unbewussten an. Sprache dient dem Volk als Wurzel, sie hat eine verbindende, kommunikative Funktion, soll der Verständigung dienen. Dieser Funktion wird sie durch ihre Deformation immer weniger gerecht. Wir sagen etwas, ohne zu verstehen, was wir sagen und in wessen Geist wir sprechen!

“Dating” ist eine schnelle Begegnung, Unsere “Kids” haben “Fun”, wir gehen “jobben”, “zoomen” oder “shoppen” und das Menschliche wird durch diese “Sprache” fetischisiert, verdinglicht. Der Mitmensch wird zur nutzbaren Ressource. Und, wir haben eine “Ampelregierung“! Davon abgesehen, dass Farben eh keine Rolle mehr spielen im Parteienstaat, in der die Inhalte der Parteien ausnahmslos an der kapitalistischen Ausbeutung des Menschen ausgerichtet sind und höchstens noch moralisch in “gut” und “böse” unterteilt werden, vertuscht dieses “Wort” die Tatsache, dass es hier nur noch um die Regelung der Ausbeutung geht. Gleichzeitig wird dies aber durch die Assoziation “Ampel” transportiert. Dies ist nur den Wenigsten bewusst.

Die Achtsamkeit der Sprache spielt nur noch in der verordneten “Geschlechtersensibilität” eine Rolle, wo sie gleichzeitig die Sprache weiter orthographisch und grammatikalisch deformiert, jedoch mit gutem Gender-Gewissen!

Unterschiede sind willkommen, so scheint es, mit dem Begriff “Diversity”. Möchte man Unterschiede aber beschreiben oder benennen, dann kann man ganz schnell “Fehler” machen! Die Unterschiede, die wir als willkommen heraufbeschwören, dürfen nicht als Unterschiede beschrieben werden – dann greift die Moralkeule! Schon die Frage, aus welcher Kultur oder welchem Land jemand kommt, weil äußere Merkmale darauf hinweisen, gilt als Diskriminierung. Dadurch entsteht kollektiv ein schizophrener GeistesZustand!

Die “Sprachpolizei” ist mittlerweile in uns und Teil der eigenen Selbstkontrolle geworden, um ja nichts “falsch” zu machen. Dabei wird ein echtes menschliches Interesse am Gegenüber als Herabsetzung oder Diskriminierung umdefiniert. Der eigenen Wahrnehmung zu trauen, ehrliches Interesse zu artikulieren, wird zum moralischen Roulette!

Merkwürdigerweise dürfen wir die Sprache in allen anderen Belangen beliebig verformen und verfremden – das gilt als cool und chic! Ein weiterer Missbrauch der Sprache ist, wenn wir durch die Medien dauerhaft mit bestimmten Begriffen und Bildern hypnotisiert werden, bis wir es fast als “Erlösung” ansehen, wenn die Realität, die uns im alltäglichen medialen Dauerfeuer in unsere Gehirne geschossen wird, “endlich wahr wird”! Wenn unsere Angst, die uns zuvor monatelang gemacht wurde, endlich “Bestätigung” findet! Wenn die mediale Dauer-Prophezeiung der “Propheten” endlich in Erfüllung geht (siehe auch selbst erfüllende Prophezeiung!)

Wenn uns bewusst wird, wie sehr unsere alltägliche Sprache verfremdet wird, wie sehr sie verflacht und verformt wird, um entweder eine Tatsache unsichtbar zu machen bzw. sie zu überspielen oder um eine Tatsache mit Angst und Panik aufzubauschen und andererseits unsere Äußerungen und unser Denken zu manipulieren, zu lenken und zu tabuisieren, dann wird uns auch bewusst, welch suggestive Macht von ihr ausgehen kann, wenn sie instrumentell manipuliert wird!

Welch wohltuende, kommunikative und emanzipatorische Wirkung von ihr ausgeht, wenn historisch gewachsene Sprache ehrlich angewandt wird, aber auch, welche menschliche Abwertung/ Verdinglichung “coole, angesagte” Begriffe mit sich bringen, die so eine neue Realität erschaffen, weil sie unsere Wahrnehmung trüben. Mit dieser verkrüppelten Sprache landen wir in einer künstlichen Realität, in der sich der Mensch als nützliches Element in einem unmenschlichen technologischen Industrie-Getriebe wiederfindet. In der er nur noch zu funktionieren hat und nicht mehr leben darf, als das Nützlichkeitsdenken des transhumanistischen Technologie-Getriebes ihm erlaubt!

Wir können uns entscheiden, wie wir sprechen und in welcher Sprache. Denn mit ihr erschaffen wir Realität. Sich dafür zu sensibilisieren, halte ich für wesentlich im heutigen Miteinander.

Uwe Habricht 1/2022

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2 Gedanken zu “Die Booster-Sprache

  1. Guten Abend,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Schön, dass Sie mein Beitrag ein wenig provoziert hat und Sie sich mit der Lebendigkeit von Sprache (gegen die ich überhaupt nicht habe) und ihre Blüten beschäftigen.

    Was lebendig ist, kann und wird manipuliert und Sie haben hier berechtigterweise die Aspekte von Sprache angesprochen, mit der Sprache auch die Funktion der Image-Reproduktion, der Etablierung von sozialen Unterschieden und der Transportierung und Etablierung eines bestimmten Menschenbildes inne hat. Abgrenzung als Funktion von Sprache? Lassen Sie das nicht die Eine-Welt-Globalisten hören, für die doch “alle gleich sind” 🙂

    Der Begriff “Sozial Schwache” zum Beispiel gaukelt vor, dass die so benannten Mittellosen asozial seien. Dabei fehlt ihnen nur das Geld zum Überleben und es sind oft viel sozialere Menschen, die es nicht “clever genug” angestellt haben, marktkonform zu funktionieren!

    “Wahlkampf” gaukelt vor, dass Demokratie aus Kampf besteht, anstatt aus Miteinander.

    Ständig muss ich “Cookies” beim Besuchen von Websites bestätigen und mir wird suggeriert, dass ich über meine “Daten” selbst bestimme. Ja, Hauptsache, die Daten sind “sicher”, der Mensch selbst lebt im Kapitalismus aber sehr unsicher, was aber keine große Rolle im Suggerieren von “Sicherheit” zu spielen scheint.

    Mit Sprache wird eine Realität und ein Menschenbild erschaffen und transportiert. So weit, so gut. Und ich habe auch nichts gegen die Entwicklung von Sprachgut und von neuen Wörtern (Anglizismen). Und wer so reflektiert wie Sie über Sprache nachdenkt, um den bangt es mir bei diesem Thema auch nicht.

    Viele aber nehmen diese Veränderungen (und die “Bereicherungen” unserer Sprache) in der Alltagssprache ganz unreflektiert auf. Ganz abgesehen davon, dass ich die Frage “Bist du schon geboostert?” ganz und gar herabsetzend und entmenschlichend empfinde (Ich fühle mich dann nicht mehr als Mensch gesehen, sondern als Nutzvieh in einer pharmazeutischen Diktatur) macht mir vielmehr Sorgen, dass die Wahrnehmungsschwelle für Menschenverachtendes immer höherschwelliger wird.

    Das beginnt für mich schon mit dem Wort “Kids”, das für mich impliziert, dass Kinder nicht mehr ernstgenommen werden in ihrem Sosein als werdende Menschen, sondern dass so alles und jeder im Funktionsdenken des “Humankapitals Mensch” fetischisiert und vermarktet wird, letztlich zum Objekt des Marktes und seiner Anforderungen an die Marktfunktion des homo öconomicus degradiert wird.

    Mir geht es also keineswegs um die lebendige Veränderung von Sprache und meinetwegen solch sich jeder mit “seiner Sprache” auch anderen gegenüber profilieren und sich abgrenzen “vom Fußvolk”. Aber dann war es dem Fußvolk wenigstens klar, warum die “Damen und Herren” in ihrer Gegenwart französisch sprechen. Und damit hatte es auch wieder eine soziale Funktion der Verständigung, denn jedem, der die “Reichen” französisch reden hörte war ja klar “Aha, ich gehöre nicht dazu”.

    Differenzen, die alle kennen und akzeptieren, sorgen durchaus für sozialen Frieden und für Orientierung; Grenzen zwischen Staaten sorgen ja auch für Frieden, wenn sie bilateral anerkannt sind: Hier sprechen wir deutsch und hinter der Grenze sprechen sie polnisch, weil wir friedlich als verschiedene Kulturen mit verschiedenen Sprachen nebeneinander und miteinander leben. Differenzen bzw. Unterschiede sind also durch aus auch sozialer, verständigender und friedlicher Natur, wenn sie verstanden und anerkannt (sozial integriert) sind.

    Die “grenzenlose Welt”, in der “alle gleich sind”, ist eine Erfindung des Großkapitals, aber wem sage ich das? Wir Menschen sind global alle gleichwürdig aber keineswegs gleich! Auch hier wieder ein Macht-Missbrauch der Sprache für die Etablierung von “Gleichheitsdenken”, wo wir doch alle “anders” sein wollen. Und natürlich erzeugt sich aus diesem Widersprich wieder ein Bedürfnis nach Abgrenzung, weil Individualität nur mit Abgrenzung geht. Das Gemeinsame geht nur mit Abgrenzung. Das eine schließt das andere nicht aus.

    Nur: Der globale Kapitalismus funktioniert am besten mit dieser “Idee” (Dogma), dass wir alle “gleich sind”. Dann kann er ständig als Oberlehrer eine Moral reproduzieren, in der er sich “menschlich” zeigen kann und eine verlogene Ideologie erschafft, mit der er moralisierend zu “Gleichheit” und “Gerechtigkeit” aufruft.

    Ergo: Nicht die Veränderung von Sprache ist das Problem, sondern das Nicht-Reflektierende, das Einfach-so-Nachgeplapperte sehe ich als Verflachung unserer Lebenswelt und ihrer Lebendigkeit und Vielfalt in Richtung “Standard-Mensch”. Wir büßen mit einer verflachten und unverstandenen Sprache unsere Lebendigkeit und Individualität zu Gunsten eines ideologiekonformen Funktionsdenkens ein.

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  2. Wer sich wie Sie, Herr Habricht, die kleine Mühe macht, bei jedem unbekannten Wort ein Fremdwörterbuch oder Übersetzungslexikon zur Hand zu nehmen, darf sich hier und da über vermutlich ungewollte Bedeutungen freuen, wie beim “Boostern” als modische Bezeichnung für eine dritte Impfung gegen das “Corona” – Virus, um eine höhere Stufe der Immunisierung mittels des m-RNA Impfstoffes vorzutäuschen, was aber eigentlich Antreiben heißt.

    Immer schon versuchte die jeweils herrschende Klasse, mit beschönigenden oder verächtlichmachenden Begriffen das Denken der jeweils Beherrschten zu ihren Gunsten zu beinflussen. Die Nationalsozialisten trieben die Verbiegung der deutschen Sprache besonders toll. Nur ein Beispiel: “Wehrmacht” für eine Angriffskriegsarmee, die zum Glück nicht mächtig genug war, ganz Europa zu unterwerfen. Nach der Besetzung durch die Alliierten wollte die Mehrheit der Deutschen “the american way of life” nachahmen, wodurch viele Anglizismen in die deutsche Sprache aufgenommen wurden.

    Im Bereich der Wirtschaft verwenden wir militärische Begriffe (bereits im Vorfeld; wir sind gut aufgestellt), sehr viele Anglizismen (human ressources; point of sale), Denglish (Jobcenter, Selfmanagement) Beschönigendes (freisetzen), Täuschendes (Mitarbeiterentwicklung), und Aufhetzendes (betriebsratsverseucht).
    Diese Sprache verrät, daß unser Wirtschaftssystem als Herrschaftsinstrument mißbraucht wird, statt allein dem Austausch zwischen Bedürfnissen und Angeboten von uns Menschen untereinander zu dienen. Wer nicht ständig seine oder ihre Sprache updated, sich nicht selbst optimiert und flexibel jedem Trend anpaßt, wird als unzeitgemäß und dumm erachtet, fällt der Psychologisierung oder Psychiatrisierung anheim oder wird als Feind der Demokratie ausgegrenzt, je nach Grad ihrer oder seiner Empfindlichkeit und Widerstandsfähigkeit.

    Einer Feststellung von Ihnen widerspreche ich. Sprache diente immer schon nicht nur der Verständigung, sondern auch dem sich voneinander Abgrenzen von Gruppen. Gauner schützten sich mit Rotwelsch vor Unterwanderung, Jugendliche wollen sich von Erwachsenen unterscheiden, deutsche Adelige sprachen vor ihren Bediensteten Französisch, viele Berufsgruppen verwenden Fachausdrücke wie: Ärmel anwerfen (annähen), Wild, das schwitzt (blutet), Holzkanten brechen (schräg fein abschleifen), Soldaten fallen (sterben). Manches davon wandert in das Umgangsdeutsche ein, anderes nicht. Auch wurden immer schon Wörter aus anderen Sprachen übernommen, manchmal unter Mißachtung ihrer ursprünglichen Bedeutung wie bei “Toast” für weißes Röstbrot statt für eine gesittete Trinkrunde oder eben “Blockbuster” für einen Kinofilm, der so stark besucht werden soll, daß ganze Wohnblöcke menschenleer werden, als hätte besagte Mine sie gesprengt.

    Sprache ist lebendig und wandelt sich ständig. Sie spiegelt das Wesen unserer Gesellschaft wieder, das leider immer noch von Obrigkeitshörigkeit, Spaltung und Angst durchdrungen ist. Wie bekommen wir die kriegerischen und menschenverachtenden Begriffe aus dem Wirtschaftsleben getilgt ?
    Indem wir es von geld- und expansionsorientiert auf mensch- und naturorientiert umformen.

    Da gab es doch mal einen Wirtschaftstheoretiker fern von “links” und “rechts”, der uns zwei grundlegende Lösungsansätze hinterließ, die der Weiterentwicklung, Verbreitung und Verwirklichung durch uns harren . . .

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