{"id":24384,"date":"2025-05-20T09:44:33","date_gmt":"2025-05-20T07:44:33","guid":{"rendered":"https:\/\/humanwirtschaftspartei.de\/?p=24384"},"modified":"2025-05-18T09:45:30","modified_gmt":"2025-05-18T07:45:30","slug":"wettruesten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanwirtschaftspartei.de\/?p=24384","title":{"rendered":"Wettr\u00fcsten"},"content":{"rendered":"\n<p>Unter Wettr&uuml;sten oder R&uuml;stungswettlauf versteht man die etappenweise erfolgende milit&auml;rische Aufr&uuml;stung sich antagonistisch gegen&uuml;berstehender Staaten oder B&uuml;ndnisse. Es handelt sich um einen Teilprozess der R&uuml;stungsdynamik. Bekannte R&uuml;stungswettl&auml;ufe fanden zwischen dem Deutschen Reich und der Triple Entente (vgl. auch: Deutsch-Britisches Flottenwettr&uuml;sten) vor dem Ersten Weltkrieg und zwischen den beiden westlichen und &ouml;stlichen Machtbl&ouml;cken im Kalten Krieg statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Deutsch-Britische Wettr&uuml;sten zur See bezeichnet den R&uuml;stungswettlauf zwischen der deutschen Kaiserlichen Marine und der britischen Royal Navy vor dem Ersten Weltkrieg. Obwohl es keine unmittelbare Ursache des britischen Kriegseintritts 1914 war, bildete es ein wesentliches Moment beim Aufkommen eines deutsch-britischen Antagonismus im Vorfeld des Krieges.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Jahrhunderten vor der Deutschen Reichsgr&uuml;ndung 1871 waren die Kriegsflotten deutscher Staaten (z. B. Preu&szlig;ische Marine), wenn sie &uuml;berhaupt &uuml;ber solche verf&uuml;gten, im Vergleich zu jenen der gro&szlig;en Seem&auml;chte (z. B. Gro&szlig;britannien, Frankreich) unbedeutend. Durch den stark zunehmenden deutschen &Uuml;berseehandel und den Erwerb &uuml;berseeischer Kolonien nach 1880 wuchs das Bed&uuml;rfnis nach konkurrenzf&auml;higen deutschen Seestreitkr&auml;ften. Doch erst nach Amtsantritt von Kaiser Wilhelm II. ging die Zielrichtung des Flottenbaus &uuml;ber K&uuml;stenschutz und Sicherung von Handelswegen hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem britischen R&uuml;stungsprogramm von 1909 war das Wettr&uuml;sten faktisch entschieden. Deutschland konnte angesichts von acht Neubauten nicht mehr das f&uuml;r die Risikoflotte angestrebte Kr&auml;fteverh&auml;ltnis von 2\/3 der Briten erreichen und auch die britische Vormachtstellung nie ernsthaft gef&auml;hrden. Das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis in der Skagerrakschlacht (1916) &ndash; sie gilt als die gr&ouml;&szlig;te konventionelle Seeschlacht &ndash; zeigte dies deutlich. Die deutsche Flotte konnte im Ersten Weltkrieg mit ihren Kr&auml;ften die britische Seeblockade nicht brechen, was entscheidend zur Niederlage Deutschlands und der Mittelm&auml;chte beitrug.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann im Zeichen des &bdquo;Kalten Kriegs&ldquo;, der Systemkonfrontation zwischen West und Ost, ein Wettr&uuml;sten zwischen den Vereinigten Staaten und der 1949 gegr&uuml;ndeten NATO auf der einen und der Sowjetunion und dem Ostblock auf der anderen Seite, das bis zur Selbstaufl&ouml;sung des Warschauer Pakts Anfang der 1990er Jahre anhielt. Das Wettr&uuml;sten beziehungsweise die R&uuml;stungsspirale wurde &uuml;blicherweise damit gerechtfertigt, dass die eigene Seite jeweils weiter aufr&uuml;sten m&uuml;sse, da die andere Seite dies auch tue und eine &Uuml;berlegenheit anstrebe. Ronald Reagan betrieb das Wettr&uuml;sten mit dem erkl&auml;rten Ziel, den kommunistischen Block wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Der Zerfall der Sowjetunion beendete 1991 den Kalten Krieg, damit endete auch das Wettr&uuml;sten zwischen NATO und Warschauer Pakt beziehungsweise den USA und der UdSSR.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kalte Krieg war die Hochphase eines Weltkonflikts, der 1917 mit der russischen Oktoberrevolution unter Lenins F&uuml;hrung begann, den Russischen B&uuml;rgerkrieg nach sich zog, an dem westliche Kr&auml;fte auf gegenrevolution&auml;rer Seite teilnahmen, und der sich in den 1920er und 1930er Jahren durch den Revolutionsexport der Kommunistischen Internationale fortgesetzt hatte. Die Anti-Hitler-Koalition seit 1941 &uuml;berdeckte den Konflikt zeitweise. In der Nachkriegszeit traten die unterschiedlichen Ziele und Interessen der Superm&auml;chte bei der Neuordnung der Welt hervor und f&uuml;hrten zur Teilung Europas in zwei feindliche Machtbl&ouml;cke mit zugeh&ouml;rigen Milit&auml;rb&uuml;ndnissen: der NATO und den Staaten des Warschauer Paktes. Deren Ausdehnung entsprach weitgehend der milit&auml;rischen Pr&auml;senz der US-Truppen und der Roten Armee 1945. In S&uuml;dostasien schufen die USA mit der Southeast Asia Treaty Organization ein &auml;hnliches B&uuml;ndnis (gegr&uuml;ndet 8. September 1954, aufgel&ouml;st 1977), was die Sowjetunion als Provokation sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ausgangspunkt des Kalten Krieges gilt die Verk&uuml;ndigung der sogenannten Truman-Doktrin durch US-Pr&auml;sident Harry S. Truman am 12. M&auml;rz 1947 und der daraus entstehenden Zwei-Lager-Theorie. Deren Hintergrund bildete die Irankrise: In den Jahren 1945 und 1946 versuchte die Sowjetunion, die von Kurden und Aserbaidschanern bewohnten Provinzen Irans abzuspalten, um dort prosowjetische Staaten zu etablieren. Josef Stalin plante, auch in Teheran eine kommunistische Regierung zu installieren. Truman drohte im Fr&uuml;hjahr 1946 Stalin mit ernsthaften Konsequenzen bis hin zum Einsatz von Atomwaffen, wenn er seine Truppen nicht aus dem Iran abz&ouml;ge. F&uuml;r Truman stand au&szlig;er Frage, dass die Kontrolle des iranischen &Ouml;ls durch die Sowjetunion zu einer Verschiebung des Machtgleichgewichts in der Welt f&uuml;hren w&uuml;rde und die aufstrebende westliche Wirtschaft massiv besch&auml;digen k&ouml;nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Superm&auml;chte vermieden den offenen Krieg mit Waffeneinsatz gegeneinander, betrieben aber seit den Atombombenabw&uuml;rfen auf Hiroshima und Nagasaki ein beispielloses, auch atomares Wettr&uuml;sten. Die wechselseitige Androhung des Atomkrieges unter dem Begriff &bdquo;Abschreckung&ldquo; beschwor erstmals die m&ouml;gliche Selbstausl&ouml;schung der Menschheit (&bdquo;Overkill&ldquo;) herauf. Der Interessenkonflikt drohte mehrmals milit&auml;risch zu eskalieren: in der Berlin-Blockade 1948, w&auml;hrend des Koreakriegs 1950, beim Mauerbau in Berlin 1961 und besonders w&auml;hrend der Kubakrise 1962.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Kubakrise regulierten die USA und die UdSSR den Konflikt durch Krisendialog und bilaterale R&uuml;stungskontrolle, setzten aber das Wettr&uuml;sten und den Kampf um Einflusszonen unvermindert auch milit&auml;risch fort. So waren die USA im Vietnamkrieg, die Sowjetunion bei ihrer Intervention in Afghanistan mit eigenen Truppen direkt beteiligt, w&auml;hrend der Rivale die Gegenseite mit Geld, Waffen, Logistik und Informationen unterst&uuml;tzte. Zudem unterst&uuml;tzten beide Superm&auml;chte zahlreiche B&uuml;rgerkriege und bewaffnete Konflikte in Afrika, Mittel- und S&uuml;damerika, wahlweise Rebellengruppen gegen ihnen nicht genehme Regierungen oder umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem fanden, oft in weniger entwickelten L&auml;ndern, sogenannte Stellvertreterkriege oder &bdquo;geheime Kriege&ldquo; statt: So unterst&uuml;tzte die Reagan-Regierung in den 1980er Jahren gegen den Willen des US-Kongresses illegal den Krieg der Contra-Rebellen gegen die linksgerichtete Regierung der Sandinisten in Nicaragua. Im Angolanischen B&uuml;rgerkrieg standen sich von den USA, Kuba und der Sowjetunion unterst&uuml;tzte Gruppen gegen&uuml;ber. &Uuml;ber befreundete Dienste f&ouml;rderte die CIA den afghanischen Widerstand. Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren unterst&uuml;tzten die USA zahlreiche rechtsgerichtete Milit&auml;rdiktaturen in S&uuml;damerika &ndash; denen sie mit der US-Intervention in Chile an die Macht geholfen hatten und deren Gegner diese in einem sogenannten schmutzigen Krieg auch verschwinden lie&szlig;en. Dabei bildete das US-Milit&auml;r auch Todesschwadronen in Lateinamerika und anderen L&auml;ndern aus und schulte diese unter anderem in physisch nicht nachweisbaren Foltermethoden. Als Beispiel f&uuml;r die Auswirkungen dieser Politik gilt El Salvador, wo die US-gest&uuml;tzte Milit&auml;rdiktatur Anfang der 1980er Jahre etwa 40.000 Oppositionelle ermordete,rund 0,8 % der Bev&ouml;lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Griechenland und die T&uuml;rkei sind seit Jahrzehnten in einen kostspieligen R&uuml;stungswettlauf verstrickt, in dem sich vor allem Griechenland immer neue Schulden aufb&uuml;rdet. Griechenland gab j&auml;hrlich 3 bis 6,4 % seines Bruttosozialprodukts f&uuml;r R&uuml;stung aus,[4] die T&uuml;rkei &uuml;ber 5 %, zum Vergleich Deutschland 1,5 %, die Schweiz 1 %, &Ouml;sterreich 0,9 %. Auch die griechische Finanzkrise f&uuml;hrte bis Ende 2011 weder zu einer Verkleinerung der Armee (bislang etwa 130.000 Mann) noch zu Abr&uuml;stungsma&szlig;nahmen bei milit&auml;rischem Ger&auml;t und die &bdquo;Wunschliste&ldquo; blieb bestehen. China liegt mit mehreren Nachbarn im Streit &uuml;ber Territorialanspr&uuml;che und Rohstoffvorkommen in Seegebieten. China hat seine R&uuml;stungsausgaben massiv erh&ouml;ht, speziell in den Jahren 2009 und 2010. Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat den Machtanspruch der Vereinigten Staaten ersch&uuml;ttert; China dagegen ist aus der Krise gest&auml;rkt hervorgegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das SIPRI ver&ouml;ffentlichte 2013 statistische Daten f&uuml;r den Zeitraum 2008 bis 2012. 74 % von Chinas Waffenlieferungen gingen an L&auml;nder in Asien und Ozeanien. 55 % von Chinas Waffenexporten gingen an Pakistan. China unterst&uuml;tzt Pakistan im Wettr&uuml;sten mit dessen Nachbarn Indien. Zwischen den beiden L&auml;ndern gibt es Spannungen (siehe Kaschmir-Konflikt), seit sie im August 1947 aus Britisch-Indien hervorgingen (Teilung Indiens). Neben wirtschaftlichen verfolgen die Chinesen auch handfeste strategische Interessen in Pakistan.<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"\" data-post-id=\"24384\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"\" data-post-id=\"24384\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter Wettr\u00fcsten oder R\u00fcstungswettlauf versteht man die etappenweise erfolgende milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung sich antagonistisch gegen\u00fcberstehender Staaten oder B\u00fcndnisse. 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