FSU

FSU – Freisoziale Union

Die HUMANWIRTSCHAFTSPARTEI wurde am 9. September 1950 in Bielefeld als „Freisoziale Union“ (FSU) mit dem Ziel gegründet, „die Erkenntnisse Silvio Gesells durch eine unabhängige politische Organisation zu verwirklichen“. Sie entstand als Zusammenschluss parteimäßig organisierter Anhänger Gesells in der britischen Zone (Radikal-Soziale Freiheitspartei, RSF), der französischen Zone (Freie Soziale Partei, FSP) und der amerikanischen Zone (Soziale Freiheitspartei, SFP).

Die Entwicklung der Partei lässt sich in mehrere Phasen untergliedern: Bis Mitte der fünfziger Jahre betrieb sie erfolglos unter national-neutralistischen Vorzeichen Bündnispolitik, die ihre kargen Kräfte verschliss und sie personell aufzehrte. Danach, bis zur Bundestagswahl 1965, konzentrierte sie sich auf die innere Rekonsolidierung, verzichtete auf Wahlbeteiligungen und stellte dafür die Schulungs- und Aufklärungsarbeit in den Vordergrund. In diesen Jahren drängte eine Generation von Reformern auf innerparteilichen Einfluss und bemühte sich, die Praxis der FSU zu repolitisieren.

In der Phase zwischen 1964 und 1974 beteiligte sie sich wieder an Wahlen – vor allem an Bundestagswahlen –, suchte in der Außerparlamentarischen Opposition und unter den Natur- und Umweltschützern nach Verbündeten und intensivierte ihre Öffentlichkeitsarbeit. Ihr freisoziales Dogma schränkte die Kooperationsfähigkeit mit anderen politischen Kräften jedoch empfindlich ein. Parteimitglieder und -aktivisten wendeten sich folglich der Umwelt- und Ökologiebewegung zu.

Die Freisoziale Union verstand sich mehr oder weniger gleichzeitig als „Urpartei der Frauen, als Urpartei der Grünen und als Urpartei des Friedens“.

Dennoch blieben die politischen Erfolge der FSU gering. Dies mag mit daran gelegen haben, dass die Partei immer wieder ihre wirtschaftspolitischen Forderungen mit anderen Themen kombinierte, die nicht in den Bereich ihrer Kernkompetenz gehörten. So sprach sich z.B. der Parteivorsitzende Kurt Keßler nicht nur für einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie aus – was ja angesichts der unkalkulierbaren Gefahren dieser Technologie eine bis auf den heutigen Tag nachvollziehbare Haltung ist –, sondern propagierte in der Parteizeitschrift „Der 3. Weg“ neben der konsequenten Erforschung alternativer Energiequellen wie Wind, Wasser und Sonne auch „die so genannte Freie Energie oder auch Tachyonen-Energie“.

Die Wahlteilnahmen der FSU nach 1984 blieben sporadisch, auf wenige Landesverbände (Hamburg und Schleswig-Holstein) beschränkt und brachten nur wenige Wählerstimmen. In den Jahren 1987 und 1988 (Neuwahl nach der sog. „Barschel-Affäre“) trat die FSU in Schleswig-Holstein zu den Landtagswahlen an – das genaue Ergebnis ist nicht mehr zu ermitteln, da die Unterlagen des „Statistikamt Nord“ die Ergebnisse der kleineren Parteien für das Land Schleswig-Holstein unter dem Begriff „Andere“ subsumieren. Gleiches gilt für die Bundestagswahlen in Schleswig-Holstein, an denen die FSU in den Jahren 1987, 1994 und 1998 teilnahm (im Jahr 1998 auch in Teilen von Niedersachsen und in Hamburg). Bei keiner dieser Wahlteilnahmen wurde ein Ergebnis von mehr als 0,1 Prozent erreicht.

Daher konzentrierte sich die Partei weiterhin auf den Bildungsbereich und die Herausgabe der Zeitschrift „Der 3. Weg“. Dank ererbter Gelder konnte die Partei gegen Ende der neunziger Jahre den FJVD e.V. finanziell dabei unterstützen, das Silivo-Gesell-Heim in Wuppertal-Neviges zur Silvio-Gesell-Tagungsstätte auszubauen.

Die Parteivorsitzenden der FSU:

Richard Batz 1950 – 1952
Wilhelm Radecke 1952 – 1954
Albert Bartels 1954 – 1956
Peter Thielen 1956/57 (gest. 4.9.1957)
Dr. Ernst Schröder 1957/58 komm. Vors. 1958 – 1961
Dr. Kurt Keßler 1961 – 1986
Hans-Bernhard Zill 1986 – 1996
Karl-Heinz Wandel 1996 – 1998 (gest. 23.04.1998)
Wilfried Harder 1998 komm. Vors.
Horst Mikonauschke 1998 – 1999
Hermann Benjes 1999 – 2000
Wolfram Triebler 2000 – 2001

Auf dem Bundesparteitag 2000 stellten Hans Olbrich und Thomas Seltmann ein Konzept vor, mit dem sie die Partei auf die „Spur des Erfolges“ bringen wollten. Es gelang ihnen, die Delegierten von diesem Konzept zu überzeugen. Dazu gehörte auch die Umbenennung der FSU in HUMANWIRTSCHAFTSPARTEI und die Umbenennung der Zeitschrift „Der 3. Weg“ in HUMANWIRTSCHAFT.

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