15. Mai 2026

Gehört der Islam zu Deutschland ?

Viele Zeitgenossen von uns beschäftigen sich mit der Frage ob der Islam zu Deutschland gehört? Dabei wollen wir mit diesem Artikel die Spreu vom Weizen trennen. Die selbsternannten Vaterlandsretter und Christentumverteidiger vertreten natürlich die Behauptung, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre und warten diesbezüglich mit doch recht „rechten“ und abenteuerlichen Argumenten auf. Wir wollen uns mit diesem Artikel nicht auf unser Bauchgefühl verlassen, sondern einen geschichtlichen Rückblick auf die Geschichte des Islams in Deutschland anbieten. Anfangen wollen wir in der Stauferzeit mit einem bis heute der ungewöhnlichsten Herrscher auf dem römisch-deutschen Kaiserthron. Dem Stauferkaiser Friedrich II.

Friedrich II. (italienisch Federico II di Svevia, * 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona, Reichsitalien; † 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera, Königreich Sizilien) aus dem Adelsgeschlecht der Staufer war ab 1198 König von Sizilien, ab 1212 römisch-deutscher König und von 1220 bis zu seinem Tod Kaiser des römisch-deutschen Reiches.

Sein Hof entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum der Dichtung und Wissenschaft. Seiner Vorliebe für die Falknerei folgend verfasste er sein berühmtes Werk De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“).

Stauferkaiser Friedrich II. (1194–1250) pflegte ein bemerkenswert offenes, von kulturellem Austausch geprägtes Verhältnis zum Islam, was ihm den Ruf eines „getauften Sultans“ einbrachte. Trotz seiner Rolle als Kreuzfahrer nutzte er muslimische Gelehrte, Leibgarden und Verwaltungsbeamte, besonders nach der Ansiedlung sizilianischer Muslime in Lucera, was ihn zu einer Brückenfigur zwischen Christentum und Islam machte.

Friedrich II. sprach Arabisch und interessierte sich brennend für islamische Philosophie, Astronomie und Mathematik. Er korrespondierte mit Gelehrten aus der islamischen Welt, beispielsweise zu philosophischen Fragen mit dem maghrebinischen Sufi Ibn Sab’in.

Den Kreuzzug, den Friedrich II. aufgrund päpstlichen Befehls und Drucks unternehmen musste, hatte er mehrere Male hinausgezögert. Als er 1228 letztendlich mit seiner Armee aufbrechen musste, waren viele seiner Soldaten, die den Kern der Truppe ausmachten, die ihm treu ergebenen Sarazenen. Friedrichs Kreuzzug war daraufhin der einzige der Geschichte, der ohne Blutvergießen und Gemetzel verlief. Der Patriarch Jerusalems berichtete, dass »nicht einmal zehn tote oder gefangene Sarazenen« zu sehen waren.

Friedrich erhält den Beinamen “Stupor Mundi” – “Das Staunen der Welt.” In seiner Betonung von Rechtsstaatlichkeit ist er außergewöhnlich modern. Seine Toleranz und Offenheit ist für einen mittelalterlichen Herrscher außergewöhnlich. Die für die weitere Entwicklung Europas wichtigste Eigenschaft ist jedoch seine Wissbegierde. An seinem Hof versammeln sich christliche, muslimische und jüdische Gelehrte und Dichter. Sein Hof wird zur “Drehscheibe des Kulturtransfers”.

Die muslimischen Enklaven in Süditalien erleben 50 Jahre nach dem Tod des Kaisers ein grausames Ende. Bei der Eroberung Luceras und der umliegenden Orte werden zehntausende Muslime getötet, oder in die Sklaverei verkauft.

Im 14. Jahrhundert beseitigt man systematisch die Erinnerung an diese Epoche. Moscheen werden zerstört und der muslimische Einfluss gerät in Vergessenheit.

Geschichte der Muslime in Hannover

Bereits im 17. Jahrhundert lebten in der damaligen Residenzstadt Hannover Menschen, die sich zum Islam bekannten. Einer von ihnen war Hammet, der im Jahr 1683 vor Wien nach der Zweiten Wiener Türkenbelagerung zunächst gefangen genommen worden war, dann aber als Lakai oder sogenannter Kammertürke am Hof der Kurfürstin Sophie von der Pfalz im Leineschloss und im Schloss Herrenhausen diente. Von Hammet finden sich im öffentlichen Raum von 1691 bis heute die sogenannten Türkengräber von Hammet und Hasan (türkisch: Mehmed ve Hasan) auf dem Neustädter Friedhof. Hammet und Hasan durften nach dem von ihnen gewünschten muslimischen Ritus bestattet werden; ihre beiden Grabmäler zählen zu den ältesten bekannten und erhaltenen Grabstätten sogenannter Beutetürken in Deutschland. Ein berühmter Moslem in der Residenzstadt des Kurfürstentums Hannover – und ab der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover auch in London – war der osmanische und später geadelte Ludwig Maximilian Mehmet von Königstreu (um 1691–1729).

Geschichte der Muslime im Königreich Preußen

1701 kam der erste offizielle osmanische Diplomat, Mektupçu Azmi Said Efendi, in das damalige Heilige Römische Reich. Anlass für diesen Besuch war die Krönung Friedrichs I. am 18. Januar 1701 im Königsberger Schloss zum König in Preußen. Dessen Sohn, König Friedrich Wilhelm I., erhielt vom Herzog von Kurland zwanzig großgewachsene türkische Kriegsgefangene als Geschenk für sein Garderegiment der Langen Kerls. Nach Muhammad Salim Abdullah ließ Friedrich Wilhelm I. mit dem Dekret zu Potsdam 1731 bzw. 1732 für diese Muslime im Militärwaisenhaus am Langen Stall in Potsdam einen Saal als „erste Moschee“ errichten, zudem sei spätestens im Jahr 1739 die erste islamische Gemeindegründung auf deutschem Boden erfolgt.

Der Nachfolger Friedrich Wilhelms I., Friedrich der Große, bekannte sich in seiner Antwort auf eine Anfrage der Stadt Frankfurt am Main aus dem Jahre 1740, ob ein Katholik das Bürgerrecht in einer evangelischen Stadt erwerben dürfe, umfassend zur Religionsfreiheit:

„Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren (= ausüben), erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren (= bevölkern), so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen.“ Am 29. Oktober 1798 verstarb der dritte osmanische Gesandte, Ali Aziz Efendi. Der preußische König stellte zu seiner Bestattung ein Gelände zur Verfügung. Es folgte noch ein Tausch des Geländes. Dieses neue Gelände bildete den Grundstein des bis heute benutzten türkischen Friedhofs am Columbiadamm.

Preußisch-deutsche Muslime kämpften in den Feldzügen Friedrich des Großen und in der Schlacht bei Preußisch Eylau am 7. und 8. Februar 1807 gegen Napoleons Armee.

Zur Erinnerung, während am 12.Juli.1806 etliche deutsche Fürsten zu Napoleon überliefen und mit diesem den „Rheinbund“ gründeten, verteidigten Muslime in der Schlacht von 1807 ein deutsches Königreich gegen Napoleon.

Wer waren nun die wahren Vaterlandsverteidiger und Vaterlandsverräter???

Die Moschee in Wünsdorf war die erste Moschee in Deutschland. Sie existierte von 1915 bis 1930 und befand sich im sogenannten Halbmondlager, einem Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs, in Wünsdorf. Früher erbaute, äußerlich Moscheen nachempfundene Gebäude, etwa in Potsdam (Dampfmaschinenhaus für Sanssouci) oder im Schlossgarten von Schwetzingen, waren nicht für den muslimischen Gottesdienst gedacht, sondern dienten dekorativen Zwecken.

Als 1924 der Grundstein für die Moschee in Berlin-Wilmersdorf gelegt wurde, verfiel der provisorische Holzbau in Wünsdorf. Die „Gesellschaft für islamische Gottesverehrung“ bot 1927 an, die Wünsdorfer Holzmoschee für 10.000 Reichsmark dem deutschen Staat zu verkaufen und das Geld für den Wilmersdorfer Neubau zu verwenden. Zwei Jahre vor der Fertigstellung der Wilmersdorfer Moschee 1928 wurde das Wünsdorfer Gebäude abgerissen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Areal mit militärischen Funktionsbauten überbaut. Die Wilmersdorfer Moschee (historisch auch: Berliner Moschee, Indische Moschee oder Ahmadiyya-Moschee) ist die älteste bestehende Moschee Deutschlands. Sie wurde zwischen 1924 und 1928 im Auftrag der Ahmadiyya Andschuman Isha’at-i-Islam Lahore (AAIIL) auf dem Eckgrundstück Brienner/Berliner Straße im Berliner Ortsteil Wilmersdorf erbaut.

Bayern und die orientalische Architektur

Die Moschee im Schwetzinger Schlossgarten (auch als „Rote Moschee“ bekannt) ist ein Bauwerk im Garten des Schwetzinger Schlosses in Baden-Württemberg, das von Hofarchitekt Nicolas de Pigage Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde.

Der Moscheebau wurde im Jahr 1779 begonnen und 1792/93 beendet, wobei die Minarette erst in den Jahren 1795/96 fertiggestellt wurden.

Karl-Theodor zu Pfalz-Bayern

Karl (auch Carl) Philipp Theodor (* 10. Dezember 1724 auf Schloss Drogenbos bei Brüssel[1]; † 16. Februar 1799 in der Münchner Residenz) war seit dem 31. Dezember 1742 als Karl IV. Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz sowie Herzog von Jülich-Berg. Seit dem 30. Dezember 1777 war er als Karl II. auch Kurfürst von Bayern und damit der erste Herrscher Pfalzbayerns. Seine Regierungszeit hatte enorme Bedeutung für die kulturelle, ökonomische und infrastrukturelle Entwicklung des süddeutschen Raumes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Ein getaufter Katholik baut in seinen Landen das erste moscheeartige Gebäude in Deutschland.

Orientalisierende Architektur

Als orientalisierende Architektur werden Bauwerke bezeichnet, die in Form und Dekor orientalische Bauformen imitieren oder zitieren. Es handelt sich dabei um eine Variante des Historismus, die in Zusammenhang mit dem Orientalismus in der Kunst zu sehen ist.

Der Wilhelma, Eingangspavillon und Kassenhäuschen im Zoo Stuttgart. Das ehemalige Rathaus von Sarajevo. Das ehemalige Fabrikgebäude der Zigarettenfabrik Yenidze in Dresden. Das ehemalige Cafe Orient in Wiesbaden.

Ehemaliges arabisches Cafe in Düsseldorf. Zachelfabrik in Wien. Spanische Synagoge in Prag. Große Synagoge in Budapest. Marokkanisches Haus Schloß Linderhof. Maurischer Kiosk Schloß Linderhof. Kornspeicher und Wohnhaus der Familie Alexander Gentz in Neuruppin-Gentzrode. Maurisches Bad im Schweriner Schloss. Türkisches Bad (auch als Maurisches Kabinett bezeichnet) in Schloss Albrechtsberg bei Dresden. Maurisches Kabinett im Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam. Villa und Gärtnerhaus im Tempelgarten in Neuruppin. Das ehemalige Dampfmaschinenhaus für Sanssouci – auch „Pumpenhaus“ in Potsdam.

Carl von Diebitsch

Carl Wilhelm von Diebitsch (* 13. Januar 1819 in Liegnitz; † 15. Juni 1869 in Kairo) war ein preußischer Architekt.

Durch Carl von Diebitsch erfuhr die orientalisierende Architektur in Preußen, eingeleitet von Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius, eine entscheidende Weiterentwicklung. Die Forschungen um sein Wirken unterstützen u. a. die Kinder des Rudolf von Schön-Angerer.

Die Weimarer Klassik und der Islam

Johann Wolfgang von Goethe

Die Auseinandersetzung der Weimarer Klassik mit dem Islam war vor allem durch Johann Wolfgang von Goethe geprägt, der sich intensiv mit der arabischen Welt, der Dichtung und dem Koran beschäftigte. Während die Weimarer Klassik (ca. 1786–1832) primär für Ideale wie Humanität, Harmonie und antike Vorbilder bekannt ist, stellt Goethes Spätwerk eine Brücke zum Orient dar. Goethes West-östlicher Divan (1819) Intensive Auseinandersetzung: Goethe las den Koran, beschäftigte sich mit dem Propheten Mohammed und versuchte sich sogar an arabischen Schreibübungen.

Der Islam und die orientalische Poesie wurden von Goethe als Bereicherung für das westliche Verständnis empfunden. Er entwickelte einen “Sinn” für den arabischen Stil, besonders im späteren Alter.

Der Einfluss des Islams auf die Weimarer Klassik

Der Einfluss des Islams auf die Weimarer Klassik war zwar kein zentraler Strukturfaktor der Epoche, aber ein signifikanter kultureller und literarischer Impuls, der insbesondere durch Johann Wolfgang von Goethe und in geringerem Maße Johann Gottfried Herder vermittelt wurde.

Friedrich der Große (II. von Preußen) und der Islam

Friedrich der Große (II. von Preußen) praktizierte im 18. Jahrhundert eine aufgeklärte Toleranz gegenüber dem Islam. Aus pragmatischen Gründen und politischem Kalkül förderte er religiöse Offenheit, um Einwanderung zu fördern, Siedler anzuziehen und den preußischen Staat zu stärken. Muslime wurden als loyale Untertanen geschätzt. Pragmatische Toleranz: Seine Haltung war weniger theologisch als vielmehr pragmatisch. “Wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir sie Moscheen bauen”, ist ein berühmtes, wenn auch oft zitiertes Zitat, das seine Haltung zur Religionsfreiheit (solange sie dem Staat nützt) widerspiegelt.

Kaiser Wilhelm II und der Islam

Kaiser Wilhelm II. pflegte eine strategisch motivierte Freundschaft zum Islam und zum Osmanischen Reich, gipfelnd in seiner Rede 1898 in Damaskus, in der er sich als Freund der „300 Millionen Mohammedaner“ bezeichnete.

Halbmond-Camp“: Für muslimische Kriegsgefangene ließ Wilhelm II. 1915 das erste Moschee-Bauwerk auf deutschem Boden im Lager Wünsdorf (bei Berlin) errichten. Persönliches Interesse: Trotz seines eigenen, eher zeremoniellen Protestantismus zeigte sich der Kaiser zeitweise offen gegenüber dem Islam, was zu Gerüchten einer möglichen Konversion führte, die jedoch nicht der Wahrheit entsprachen. Wilhelm II. verfolgte somit eine pragmatische Politik, die den Islam als geopolitisches Instrument zur Weltmachtstellung des Deutschen Reiches nutzte.

Die Ausnutzung von Muslimen für den deutschen Militarismus

Die Aussage, dass bis zu 1500 Soldaten islamischen Glaubens ständig in der preußischen Armee gedient haben, findet sich in historischen Aufzeichnungen über die Präsenz von Muslimen in Deutschland vor 1945. Preußische Armee: Diese Zahl bezieht sich primär auf den Zeitraum vor und während des Ersten Weltkriegs, in dem Muslime (oft aus den russischen Randgebieten oder Tataren) in der preußischen Armee dienten. Die Zahl von 1500 ist somit als ein Beleg für eine langfristige, wenn auch zahlenmäßig geringe, muslimische Präsenz im preußischen Militär zu sehen. Die Schätzungen über die Anzahl der Muslime, die in der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg dienten, variieren, wobei neuere historische Untersuchungen von einer Zahl zwischen 137.000 und über 200.000 ausgehen.

Schätzung der Anzahl erwerbstätiger Muslime

Gesamtzahl der Muslime: Zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Menschen.

Erwerbsquote: Studien zufolge sind etwa 81 % der Muslime im erwerbsfähigen Alter (16–65 Jahre) berufstätig (Schüler, Studenten und Azubis nicht mitgerechnet).

Beschäftigungsstruktur: Von den erwerbstätigen Muslimen arbeiten rund 60 % in Vollzeit und etwa 20 % in Teilzeit.

Kernzahlen zu muslimischen Unternehmern

Unternehmen mit türkischen Wurzeln: Allein Menschen mit türkischem Migrationshintergrund (unter denen ein Großteil muslimisch ist) betreiben in Deutschland mehr als 80.000 Unternehmen. Diese sichern über 400.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften beträchtliche Umsätze.

Wirtschaftliche Eckdaten zu muslimischen Unternehmen

Beitrag zum BIP: Allein die rund 100.000 türkischstämmigen Unternehmer in Deutschland tragen jährlich etwa 50 Milliarden Euro zum Bruttosozialprodukt bei.

Halal-Markt: Der Jahresumsatz mit Halal-Lebensmitteln wird für das Jahr 2026 auf ca. 5 Milliarden Euro geschätzt. Informationen zu Trends und Marktchancen finden Interessierte beim Halal-Markt Deutschland.

Döner-Branche: Die Branche erzielt in Deutschland einen geschätzten Jahresumsatz von rund 2,4 Milliarden Euro.

Schlußfazit

Nun können wir nur hoffen, dass sowohl Befürworter wie auch selbstgerechte „rechte“ Ablehner des Islams ein differenzierteres Bild bzw. Meinung über die Geschichte des Islams in Deutschland gewinnen mögen.

Die alles entscheidende Frage ob nun der Islam zu Deutschland gehört oder nicht, diese Frage möge ein Jeder für sich selbst beantworten.

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