24. Mai 2026

Hugenotten in Deutschland

Hugenotten war die Bezeichnung für französische Protestanten (Calvinisten) im 16. bis 18. Jahrhundert, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt wurden. Aufgrund der Aufhebung ihrer religiösen Freiheiten durch Ludwig XIV. im Jahr 1685 flohen rund 170.000 Menschen, viele davon nach Deutschland, wo sie die Kultur und Wirtschaft (besonders in Berlin) stark prägten.

Nach der Unterzeichnung des Edikts von Fontainebleau 1685 verließen etwa 160.000 bis 200.000 von insgesamt 800.000 Hugenotten das Königreich Frankreich, was damals etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte.

Zu den Ländern, die für etwa 200.000 Hugenotten eine neue Heimat wurden, zählten die Schweiz, die Niederlande, England, Irland, Nordamerika und einige Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Auch in den skandinavischen Ländern wie im dänischen Kopenhagen und Fredericia, im schwedischen Stockholm in Russland und Südafrika siedelten sich Hugenotten an.

Die Hugenotten sorgten in den Ländern, in die sie immigrierten, oft für eine Blüte der Wirtschaft und besonders der Landwirtschaft. Sie öffneten das Kultur- und Geistesleben. Sie entwickelten maßgeblich die Textil- und Seidenmanufakturen, das Stumpfwirken und -gewerbe (Seidenraupenzucht), führten in Deutschland den Tabakanbau ein (schwerpunktmäßig in der Uckermark mit dem Zentrum Schwedt/Oder) und waren in Schmuckanfertigung und -handel tätig.

Deutschland 50.000 (davon 20.000 Brandenburg-Preußen)

Im Jahre 1597 ließen sich Hugenotten in Hanau nieder und bauten die Hanauer Neustadt, 1604 gründeten Hugenotten mit Erlaubnis des Grafen Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken das Dorf Ludweiler.

1670 bis 1720, insbesondere um das Jahr 1685, flohen 40.000 bis 50.000 Hugenotten nach Deutschland und bildeten dort ungefähr 200 reformierte Kirchgemeinden. Etwa 20.000 Personen davon gingen nach Brandenburg-Preußen, wo der reformierte Kurfürst Friedrich Wilhelm ihnen mit dem Edikt von Potsdam besondere Privilegien gewährte. Gleich zwei Regimenter wurden durch Hugenotten gebildet: Regiment zu Fuß Varenne (1686) und Regiment zu Fuß von Wylich (1688). Der brandenburgische Gesandte in Paris, Ezechiel Spanheim, half vielen Emigranten bei der Ausreise.

Nahezu 10.000 Hugenotten siedelten nach Baden (Friedrichstal, Neureut), Franken (in das Fürstentum Bayreuth, insbesondere nach Erlangen mit ca. 1.500 Flüchtlingen, und das Fürstentum Ansbach mit 3.200 Flüchtlingen), in die Landgrafschaft Hessen-Kassel (7.500 Personen), in die Grafschaft Nassau-Dillenburg und nach Württemberg (2.500 Personen) über. Weitere 3.400 Glaubensflüchtlinge zogen in das Rhein-Main-Gebiet (Hanau und Friedrichsdorf), in die Grafschaften des Wetterauer Grafenvereins, in das heutige Saarland und in die Kurpfalz mit Zweibrücken. Etwa 1.500 Hugenotten fanden in Hamburg, Bremen und Niedersachsen eine neue Heimat. Über 300 Hugenotten fanden am Hof des Herzogs Georg Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg, dessen Gemahlin Eleonore d’Olbreuse selbst Hugenottin war, in Celle Aufnahme und erhielten eine eigene Kirche. Im Jahr 1699 gründeten Hugenotten Neu-Isenburg in der Grafschaft Isenburg-Offenbach, etliche ließen sich in deren Residenz Offenbach nieder. Die meisten Geflüchteten richteten sich ab 1697 definitiv in ihrem Refuge, wie die neue Heimat genannt wurde, ein.

Bad Karlshafen, Nordhessen, heute Ort des Deutschen Hugenottenmuseums, des Deutschen Hugenotten-Zentrums mit einer genealogischen Forschungseinrichtung sowie der Bibliothek und des Bildarchiv der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft.

Wesertal (Waldenserorte Gewissenruh, Gottstreu), Frankenau (Orte: Louisendorf, Ellershausen), Schwabendorf, Hertingshausen (Wohratal), Wallonisch-Niederländische Kirche in Hanau, Friedrichsdorf (1890 Gründungsort der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft, derzeitiger Sitz in Bad Karlshafen9, Hofgeismar (Orte: Carlsdorf, Kelze, Schöneberg, Friedrichsdorf), Obermeiser, Immenhausen (Ort: Mariendorf), Wolfhagen (Leckringhausen), St.Ittilien (Gemeinde Helsa), Kassel, Gründung der Oberneustadt mit Karlskirche, Mörfelden-Walldorf (Stadtteil Walldorf), Neu-Isenburg, Ober-Ramstadt (Ortsteile Rohrbach und Wembach-Hahn), Hungen, Französisch-Reformierte Kirche in Offenbach am Main, Schwalmstadt-Frankenhain, Ehringshausen (Orte: Daubhausen und Greifenthal)

Eigenständige hugenottisch-waldensische Gemeindeneugründungen

Im Altkreis Frankenberg

Louisendorf (Dorf mit bis um 1990 erhaltener altertümlicher französischer Sprache), Wiesenfeld

Im heutigen Landkreis Kassel

Bad Karlshafen, Carlsdorf, Mariendorf (Immenhausen), Kelze, Schöneberg (Hofgeismar), Gewissenruh, Gottstreu, Friedrichsdorf (Hofgeismar), St. Ottilien (Gemeinde Helsa), Hofgeismar, Neustädter Kirche, Leckringhausen, Friedrichsfeld (Trendelburg). Im Altkreis Wolfhagen Ansiedlung von Hugenotten in der schon bestehenden hessischen Stadt Zierenberg und in der Gemeinde Dörnberg

Im übrigen Hessen

Landkreis Marburg-Biedenkopf (Orte: Schwabendorf, Todenhausen und Wolfskaute) Stand 2006; Daubhausen, Greifenthal (gegründet von Wilhelm Moritz Graf zu Solms-Greifenstein), Hertingshausen, Friedrichsdorf (gegründet von Landgraf Friedrich), Kassel, Oberneustadt (eigener Stadtteil)

Baden

Mannheim-Friedrichsfeld (damals Kurpfalz), Friedrichstal (seit 1975 Stadtteil von Stutensee), Welschneureut (seit 1935 vereinigt mit Teutschneureut zu Neureut, dieses seit 1975 Stadtteil von Karlsruhe)

Bayern

Bayreuth, Erlangen, Schwabach

Mecklenburg-Vorpommern

Bützow, Düvier, Bergholz

Hamburg

In Hamburg bzw. im Hamburger Bezirk Altona gab es bis 1976 Französisch-Reformierte Gemeinden, die sich 1976 zusammen mit den Deutsch-Reformierten zur Evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg zusammengeschlossen haben.

Saarland

Ludweiler

Württemberg

Pinache (seit 1975 Ortsteil von Wiernsheim), Serres (seit 1975 Ortsteil von Wiernsheim), Großvillars (seit 1972 Ortsteil von Oberderdingen), Kleinvillars (seit 1972 Ortsteil von Knittlingen), Corres (Ortsteil von Ötisheim), Perouse (seit 1972 Stadtteil von Rutesheim), Neuhengstett (seit 1974 Ortsteil von Althengstett), Nordhausen (Nordheim).

In Brandenburg-Preußen siedelten sich die Immigranten vorwiegend in Orten in einem Umkreis von etwa 150 km um Berlin an, die größte französische Kolonie entstand in der Hauptstadt selbst. Dort gehörte im Jahre 1700 von insgesamt 28.500 Einwohnern etwa jeder fünfte zu den geflüchteten Franzosen, die hauptsächlich in den neu entstandenen Städten Dorotheenstadt und Friedrichstadt sesshaft wurden

In Berlin erinnern Namen von Ortsteilen wie Moabit und Französisch Buchholz und Straßen und im Oderbruch die Ortsnamen Vevais, Beauregard und Croustillier noch an die in Preußen siedelnden Hugenotten.

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